Gerhards Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela

 
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Reiseberichte

Auvillar (F), Dienstag, 3. September 2002
95. Tag; Tageskilometer: 22; Gesamtkilometer: 2008


Am Morgen verabschiedet sich Luzia. Sie fährt über Paris nach Hause. Philipp und ich werden noch bis Condom gemeinsam gehen, dann werden auch unsere Wege sich wieder trennen.

Wir gehen den Kanal entlang und alte Erinnerungen an die Hausbootfahrt werden beim Anblick der Platanenalleen entlang des Kanals und der Schleusen wach. Der Kanal liegt einsam im warmen Licht des Vormittages, aber dann gleitet sie vorbei - die Lady Esmeralda - ein prächtiges Boot mit Hund, Motorroller und einem distinguierten Ehepaar an Bord.

In unserer Begeisterung versäumen wir die Abzweigung und gehen weiter bis Valence. So müssen wir auf der Straße zurück, dafür an einem Golfplatz mit Schlosshotel vorbei, Richtung Garonne und dem Ort Auvillar.

Wir sind jetzt in der Gascogne, einem fruchtbaren Land, auf dem Weizen, Wein, Sonnenblumen, Melonen und Knoblauch gedeihen - und natürlich auch der Armagnac! Durch Heirat fiel das Land 1154 an England und war Grenzland im hundertjährigen Krieg. Am Ende dieses Krieges 1453 wurde die Gascogne französisch und durch den Roman "Die drei Musketiere" von Dumas allgemein bekannt.

 

Alle vier großen französischen Jakobswege führen durch das Land. Was also schrieb der Pilgerführer aus dem 12. Jahrhundert im "Liber Sancti Jacobi" über die Gascogner:
"Sie haben eine lockere Zunge, sind schwatzhaft, spöttisch, liederlich, Trunkenbolde, unmäßig im Essen, hüllen sich in schäbige Lumpen und besitzen kein Geld, aber sie sind kriegstüchtig und in ihrer Gastfreundschaft gegenüber Armen vortrefflich."

Philipp ruft bei unserem Etappenziel an (diese angenehmen Zeiten werden nun bald vorbei sein) und erfährt, dass der Gité überfüllt ist. Also bleiben wir hier und finden ein Zimmer bei einer netten Mittelstandsfamilie, die ihre Mühle verkaufen wollen - die fünf Kinder sind aus dem Haus und sie werden ans Meer ziehen.


Die runde Markthalle von Auvillar, aus dem Jahr 1824

Auvillar ist ein kleines Städtchen, das von den Alemannen (176), Vandalen, Westgoten, Sarazenen, Normannen, bis zu den Ungarn (924), die alle hier durchzogen, immer wieder geplündert wurde. Die Herrschaft wechselte. Papst Clemens V dürfte öfter hier gewesen sein, da zu seiner Zeit sein Bruder hier herrschte. Im hundertjährigen Krieg war die Stadt einmal englisch, dann wieder französisch. Die Hugenotten zerstörten sie zwei Mal, bis schließlich im 18. Jahrhundert die Herstellung von Fayencen und Schreibutensilien aus Gänsefedern Wohlstand brachte.



 

So wundert es nicht, dass nur wenig erhalten blieb. Aber das Städtchen liegt wunderschön oberhalb der Garonne mit einem weiten Ausblick ins Land.
 


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(c) 2002 Gerhard Schmutzer
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