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Gerhards Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela |
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Arzacq-Arraziguet (F), Dienstag, 10. September 2002 |
![]() Abendessen und Frühstück sind sehr gut und ich genieße noch einmal den Luxus der Dusche und des Badetuches. Vorbei an der Kirche Saint-Quitterie (Bild oben; natürlich ist sie um die Zeit geschlossen). Hier war schon um 400 n.Chr. eine Kirche. Das heutige Gotteshaus ist romanisch und birgt das Grab der Hl. Quiteria.
Mittagessen in Miramont-Sensacq mit einer Pause in der schönen romanischen Kirche von Sensacq.
Weiter nach Pimbo. Karl der Große soll Kirche und Ort 778 auf dem Rückweg von seinem Spanienfeldzug gegründet haben. Eigentlich wollte ich eine Kerze für den Vater von Peter anzünden [PG: mein Vater war am 7.9. unerwartet verstorben]. Die Frau, die mich beim Stöbern in der Sakristei ertappt, meint ich wolle einen Stempel in meinem Pilgerpass, und so bekomme ich zwar keine Kerze, aber einen sehr schönen Stempel.
Es wird spät und ich beeile mich, denn ich habe kein Quartier. In Miquéau höre ich das erste Mal einen Truthahn und als ich erstaunt lausche fällt der Bauer über mich her: ich muss einen Pastise (es werden zwei) mit ihm trinken. Offensichtlich ist er Junggeselle, seine Mutter ist gestorben und wieder unterhalten wir uns, ohne die Sprache des anderen zu verstehen. Er lobt Österreich (den Donauwalzer singt er perfekt). Im Schlafzimmer in das er mich führt, hängt eine Gedenktafel an seinen Großvater und darüber wie er sagt, eine Pfeife aus Tirol. Da meines Wissens die Franzosen 1917 nicht in Tirol waren, muss es sich um eine Kriegsbeute handeln. Er ist allein und traurig und ich verspreche ihm, für ihn in Santiago eine Kerze zu entzünden. Und für meine Mutter, sagt er noch und wir scheiden als Freunde.
Sehr verspätet komme ich gegen 19 Uhr in Arzacq an und treffe Bernhard. Es gibt noch einen Platz im Gité und so übernachte ich wieder einmal um EUR 7. Ein paar bekannte Gesichter, aber nur Franzosen. So gehe ich zur Kirche (geschlossen) und esse am Hauptplatz eine Pizza. Wie schon oft frage ich mich, wovon die Leute hier - offensichtlich gar nicht so schlecht - leben. Ich bin z.B. der einzige Gast an diesem Abend, die Franzosen kochen anscheinend im Gité. Außerdem kommt mir dieser Ort überhaupt verdächtig vor: ich habe noch keine Pharmacie gesehen! Merke: Wenn ein Ort in Frankreich nichts hat, eine Pharmacie hat er! Für die Größe von Arzacq müsste es hier sogar zwei geben. |
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(c) 2002 Gerhard Schmutzer |
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