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Gerhards Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela |
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Saint-Jean-Pied-de-Port (F), Sonntag, 3. November 2002 |
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Nachdem wir uns - dem Wunsch meiner Mutter entsprechend - im kleinsten Familienkreis verabschiedet hatten und die notwendigen Dinge erledigt waren, bin ich zu meiner Mediatationswoche nach Puregg am Hochkönig gefahren. Sie sollte eigentlich den Abschluss meiner Pilgerfahrt werden, jetzt war sie die Einleitung zum zweiten Teil meiner Reise. Gestern in der Nacht bin ich von Wien über Paris nach Biarritz geflogen. Gegen Mitternacht dann mit dem Taxi zum Bahnhof von Bayonne. Wie erwartet gab es dort ein offenes Hotel. Heute Morgen dann wieder mit dem Schienenbus nach Saint-Jean-Pied-de-Port. Es war ein eigenartiges Gefühl, wieder hierher zurückzukehren - vergleichbar mit dem Gefühl, das man haben muss, wenn man nach der Vorstellung wieder ins Theater zurückgeht, wo nur noch die Akteure und Bühnenarbeiter sind - ruhiger und gelassener. Nachdem es am Vortag in Strömen geregnet hat (übrigens auch in Santiago, wie ich von Barbara aus Innsbruck per SMS erfuhr), war jetzt das Wetter wie meine Stimmung: bedeckt, die Berge in Wolken gehüllt, dann wieder ein paar Sonnenstrahlen, dann wieder Regen.
Ich ging in mein Quartier bei Madame Camino, die ich zwar nicht antraf, aber ich fand mein Zimmer auch ohne sie - meine Sachen (Pilgerstock, Matte etc.) lagen dort schon vorbereitet.
Dann in die Kirche zur Sonntagsmesse und ein Rundgang entlang der Befestigungsanlagen, Besuch im Pilgerbüro, weil die nächste Herberge in Roncesvalles ausgerechnet heute schließt, und jetzt schreibe ich in der gleichen Creperia, in der ich damals die Karte mit der Lage von Santiago an meine Mutter schrieb, meinen Bericht. Damals saß ich an den Tischen im Freien, die jetzt im Regen das letzte Licht des Abends spiegeln.
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(c) 2002 Gerhard Schmutzer |
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