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Gerhards Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela |
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Reiseberichte Roncesvalles (E), Montag, 4. November 2002
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Morgens verabschiede ich mich von Madame Camino, die ganz reizend aber nicht billig ist: 35 Euro - im Hotel in Bayonne hatte ich 40 bezahlt.
Das Wetter ist kühl und regnerisch, alles ist noch geschlossen. So breche ich ohne Proviant, aber mit heißem Tee versorgt, zur Überquerung der Pyrenäen auf. 1250 zu überwindende Höhenmeter, Regen, Nebel und Kälte machen die Etappe zu einem Test für den Pilger und dessen lädiertes Knie.
Zuletzt aber erreiche ich doch das Pilgerhospiz Roncesvalles und bin also jetzt in Spanien. Der Bischof von Pamplona gründete dieses Hospiz bereits 1127, aber erst das Rolandslied (er starb hier im Kampf gegen die Basken im 8. Jahrhundert) machte es reich und berühmt. Wieder hat's das Jaköble gerichtet, denn der Herr im Pilgerbüro Pied de Port empfahl mir, nach dem Ipanedapass die Straße zu nehmen. Mit meinem Knie und bei dem Wetter hätte ich den Abstieg durch den Wald nie geschafft. So aber erreiche ich das Stift gerade noch wohlbehalten. Die Pilgerherberge hat ja wie erwähnt gestern geschlossen, aber eine Jugendherberge bietet Ersatz. Rasch, bevor es zusperrt, geht sich noch eine Besichtigung des kleinen aber feinen Museums und des archaischen, zierlosen Kreuzganges aus - der ursprüngliche war 1600 von einem Schneesturm zerstört worden.
In der nicht sehr großen aber stimmungsvollen Kirche aus dem 13. Jahrhundert dominiert unter einem modernen Baldachin die aus Holz geschnitzte Statue der Heiligen Jungfrau von Roncesvalles. Hinter ihr lebt - man kann fast sagen tobt - sich ein junger Mönch an der Orgel aus. Da die Kirche obendrein heimelig warm ist, wird es ein einstündiges Privatkonzert. Ich muss mich losreißen um in der sympathischen, warmen, sauberen Jugendherberge die täglichen Pflichten zu erledigen um dann rechtzeitig um 20 Uhr bei der Pilgermesse zu sein. Wie immer ist die von den Mönchen gesungene Messe sehr eindrucksvoll und als die Pilger zum Segen zum Altar gerufen werden, sind wir immerhin sechs. Danach strömen wir alle ins nahe gelegene Restaurant. Dort stehen wir vor der Tür bis es öffnet, verzehren das sehr günstige Pilgermenü (mit Forelle und Wein 6 Euro) und um 21:45 ist alles wieder leer, denn die Herberge schließt um 22 Uhr. |
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(c) 2002 Gerhard Schmutzer |
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