Gerhards Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela

 
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Reiseberichte

Logroño (E), Samstag, 9. November 2002
113. Tag; Tageskilometer: 10; Gesamtkilometer: 2474


Aufbruch vom Pilgerhospital. Zuerst ein Stück mit dem Bus, dann zu Fuß im Regen durch ein enges Tal Richtung Iranzu, einem ehemaligen Zisterzienserstift, das jetzt von Theatinermönchen geführt wird. Wieder liegt es abseits vom Weg, ist aber für einen alten Zwettler ein 'muss'!



Dort angekommen, bin ich weit und breit das einzige lebendige Wesen. Als ich mich schon an den Rückweg machen will, flitzt ein kleines Auto mit einer kleinen rundlichen Spanierin heran und es wird doch geöffnet. Das renovierte Kloster ist durch seine Einfachheit und Harmonie beeindruckend. Der Umweg hat sich gelohnt!

Zu meiner Überraschung macht es der 'kleinen Spanierin' kein Problem, ein Taxi zu rufen und ich fahre nach Inache, einem Kloster mit einer langen Tradition als Pilgerherberge; im 17. Jahrhundert war dort sogar die erste Universität Navarras.


Zu Fuß zurück nach Estelle, vorbei am Weinbrunnen der Bodegas Inache, aus dem man neben Wasser tatsächlich auch einen kräftigen Rotwein zapfen kann.

Ich beschließe, meinem Knie nach dem gestrigen 'Fehltritt' eine Ruhepause zu gönnen, und so geht es nach einer Besichtigungsrunde zum Busbahnhof. Von dort erstaunlich preiswert (3,40 EUR) nach Logroño. Zuerst fahren wir direkt in die untergehende Sonne, die ich zum ersten Mal als Feuerball erlebe. Dann durch eine einsame, karge Landschaft, über der sich schaurig-schöne Wolkengebilde auftürmen. Mir wird so richtig bewusst, wie dünn eigentlich unsere Zivilisationsschutzschicht ist. Um wie viel stärker muss das ein mittelalterlicher Pilger empfunden haben, der noch unvergleichlich verletzlicher war. Mehr und mehr verstehe ich die tiefe Gläubigkeit dieser Menschen.

Dann Logroño - geschäftiges Treiben; elegante Paare mit Abendkleid und Pelzjäckchen, das Informationsbüro hat auch noch offen - schon fühlt man sich geborgen - und zu meiner Überraschung erfahre ich, dass alle Hotels überfüllt sind. Warum, kann man mir nicht sagen. In einem nahe gelegenen Hotel bekomme ich dann aber doch das letzte freie Zimmer - wer sagt's denn: das Jaköble wird's schon richten - und genieße den Luxus eines Bades.


 


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(c) 2002 Gerhard Schmutzer
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