Gerhards Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela

 
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Reiseberichte

Castrojeriz (E), Montag, 18. November 2002
122. Tag; Tageskilometer: 21; Gesamtkilometer: 2640


Nach einer angenehmen Nacht (mein Schlafsack ist der Trost meiner alten Tage - so warm ist er - und ich habe außerdem im zweiten Schlafsaal geschlafen - Franz und ich waren allein in der Herberge - und ich konnte ohne schlechtes Gewissen nach Herzenslust schnarchen) kommen meine Teesäckchen zu Ehren.

So, mit etwas heißem Tee im Magen, brechen wir in den nasskalten Morgen auf. Wir kommen in die altkastilische Hochebene, eine unverwechselbare Landschaft, geprägt von den Steinhaufen zwischen den Feldern und Schafweiden.

Die Landschaft wird vom Jakobsweg durchzogen, die Autostraßen haben sich andere Wege gesucht, aber die Menschen sind oft abgewandert - nach Neukastilien, in die Kolonien oder nach Amerika. Die riesigen Weizenfelder zeigen, dass das Land noch immer im Besitz weniger Familien ist. Viele Häuser sind eingestürzt oder stehen leer, dann wieder teure Autos auf den ausgestorbenen Straßen.

Die originelle Herberge, von Udo aus Westfalen geführt, ist geschlossen. Es gibt also kein Frühstück, aber dann in Hontanas verspricht ein Schild Essen für Pilger. Es ist unglaublich schmutzig (mit Abstand der 1. Platz unter den zahlreichen schmutzigen Orten, die ich auf meinem Weg erlebt habe), aber es prasselt ein Feuer im offenen Kamin und wir sind im Nu wieder trocken. Außerdem, wie fast immer in solchen Fällen, ist die Qualität des Essens gut und so brechen wir gestärkt nach Castrojeriz auf.

Jetzt geht es eine Straße entlang - am Vormittag waren die glitschigen, lehmigen, nassen Straßen der Meseta eine Herausforderung. Außerdem war die Landschaft endlos, selbst beim Schild 'Hontanas 0,5km' war noch nichts zu sehen - dann plötzlich sieht man die Kirchturmspitze der Siedlung, die wie oft hier in einem tiefen Einschnitt liegt (Bild oben).

Also am Nachmittag gemütliche Wege, durch die Ruinen des Klosters San Anton, einer großen gotischen Ruine aus dem 14. Jahrhundert. Rechts von der Straße sieht man noch die Nischen, in denen die Mönche Essen für die Pilger bereitstellten.

Dann in die Herberge und zu unserem gestrengen weißbärtigen 'Pilgervater', der die englischen Radfahrer wirklich 2 Stunden warten lässt, bis sie in die Herberge dürfen - im Sommer, wenn die Herbergen voll sind, haben die Fußpilger Vorrang.

Nach einem vergnüglichen Abendessen mit den beiden Engländern (er ist ein Lehrer in Frühpension, sie Lehrerin ohne feste Anstellung und sie werden ca. 2 Jahre unterwegs sein, weil sie auch noch eine Schwester in Kanada besuchen wollen) ab ins Pilgerbett.

 


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(c) 2002 Gerhard Schmutzer
last change: Sunday, 20-Apr-2003 15:22:01 CEST
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